Specialist Insights: Kabelmuffen und Zuverlässigkeit in Erneuerbare‑Energien‑Projekten
Der Markt für erneuerbare Energien wächst rasant. Windparks und Solarparks werden immer größer und komplexer, während die Infrastruktur, die diese Projekte mit dem Stromnetz verbindet, zunehmend unter Druck gerät. Genau hier entstehen laut Roy Bosman die Fragestellungen, die darüber entscheiden, ob ein Projekt zuverlässig betrieben werden kann oder nicht.
Roy Bosman arbeitet seit mehreren Jahren bei Lovink Enertech und ist seit diesem Jahr als Sales Manager Renewables tätig. In seiner täglichen Arbeit befasst er sich mit Windparks, Solarparks und zunehmend auch mit Batterie‑Energiespeichersystemen. Sein Schwerpunkt liegt hauptsächlich in Europa, die praktischen Herausforderungen, mit denen er konfrontiert wird, reichen jedoch weit über diese Grenzen hinaus. Aus dieser Perspektive erkennt er, wie Designentscheidungen, Komponentenverfügbarkeit und Umweltbedingungen in Mittelspannungsnetzen zusammenkommen.
Roy beschreibt seine Rolle wie folgt: „Mein Fokus liegt auf Windparks, Solarparks und Batterie‑Energiespeicherung. Was man feststellt, ist, dass jedes Projekt anders ist, aber sich die gleichen Themen immer wieder zeigen.“
Netzengpässe und Energiespeicherung
Eine Entwicklung, der Roy in nahezu jedem Land begegnet, sind Netzengpässe und ein wachsender Strombedarf. Die Erzeugung erneuerbarer Energie wächst schneller, als das Stromnetz sie aufnehmen kann.
Roy erklärt, wie strukturell diese Herausforderung inzwischen geworden ist: „Was man derzeit ganz deutlich sieht, ist, dass sehr viel Energie erzeugt wird, das Netz diese aber schlicht nicht bewältigen kann. Das ist nicht nur in den Niederlanden so, sondern passiert in vielen Ländern.“
Diese Einschränkung verändert die Auslegung von Erneuerbare‑Energien‑Projekten. Energie wird nicht mehr in jedem Fall direkt in das Netz eingespeist, sondern zunehmend zunächst gespeichert.
Laut Roy ist dieser Trend mittlerweile in vielen Projekten zu beobachten: „Man sieht immer mehr Projekte, die sich in Richtung BESS bewegen: Batterie‑Energiespeichersysteme. Anstatt alles direkt an das Netz anzuschließen, wird Energie in großen Batteriesystemen gespeichert und bei Bedarf in das Netz eingespeist.“
Diese Entwicklung legt einen noch stärkeren Fokus auf die Zuverlässigkeit von Mittelspannungsverbindungen innerhalb eines Energieparks.
Herausforderungen bei der Umsetzung von Erneuerbare‑Energien‑Projekten
Während Marktentwicklungen die Richtung vorgeben, beobachtet Roy, dass viele Herausforderungen erst in der Umsetzungsphase sichtbar werden. Entwürfe können auf dem Papier technisch korrekt sein, müssen sich jedoch unter realen Bedingungen bewähren.
Roy nennt das Eindringen von Wasser als ein Problem, das in der Praxis häufig auftritt: „In den Niederlanden sieht man viele Solarparks, die in niedrig gelegenen Poldergebieten gebaut werden. Diese Flächen stehen regelmäßig unter Wasser. Wassereintritt ist keine Ausnahme, sondern etwas, das man grundsätzlich berücksichtigen muss. Geschieht das nicht, funktionieren Lösungen langfristig nicht wie vorgesehen.“
Neben Umwelteinflüssen gewinnen auch Platzverhältnisse und die Verfügbarkeit von Komponenten zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Schaltanlagen entwickeln sich häufig zu einem Engpass.
Roy erklärt dies sehr anschaulich: „Normalerweise werden Schaltanlagen eingesetzt, um Windturbinen an das Sammelnetz anzuschließen. Die Lieferzeiten können jedoch leicht mehr als ein Jahr betragen. Das bedeutet, dass eine Windturbine möglicherweise warten muss, bevor sie überhaupt in Betrieb gehen und Strom erzeugen kann.“
In solchen Situationen sieht Roy, dass Engineering‑Teams aktiv nach Lösungen suchen, die besser zu den realen Bedingungen passen, ohne Planung und Ausführung unnötig unter Druck zu setzen.
Die Rolle von Kabelmuffen in zuverlässigen Mittelspannungsnetzen
Laut Roy wird die Zuverlässigkeit von Erneuerbare‑Energien‑Projekten letztlich nicht durch eine einzelne große, sichtbare Komponente bestimmt, sondern durch die Qualität der Verbindungen. Technische und praktische Entscheidungen kommen insbesondere auf der Mittelspannungsebene zusammen.
Roy betont, dass die Rolle von Kabelmuffen häufig unterschätzt wird: „Eine Kabelmuffe ist vielleicht nur ein kleiner Teil des Gesamtsystems und macht auch nur einen kleinen Teil der Gesamtinvestition aus. Gerade deshalb wird ihr manchmal zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei kommt an dieser Stelle alles zusammen. Wenn eine Kabelmuffe ausfällt, kann das dazu führen, dass der gesamte dahinterliegende Park außer Betrieb geht.“
Die Auswirkungen eines solchen Ausfalls sind nicht nur technischer Natur, sondern auch unmittelbar finanziell. Roy erklärt: „Jede Form von Stillstand in einem Windpark führt zu Einnahmeverlusten.“
Seine Kernbotschaft ist daher eindeutig: Kabelzubehör darf niemals als Nebensache betrachtet werden. Es handelt sich um Komponenten, so Roy, „bei denen es keinen Spielraum für Unsicherheit gibt“.
Spezialisierung in der Praxis
In seiner täglichen Arbeit sieht Roy, dass Fokus und Spezialisierung eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie Unternehmen Lösungen angehen. Bei Lovink liegt dieser Fokus vollständig auf Kabelmuffen und Mittelspannungszubehör.
Roy bringt es klar auf den Punkt: „Lovink konzentriert sich ausschließlich auf Kabelmuffen. Das ist das Thema, an dem hier jeder Vollzeit arbeitet.“
Laut Roy zeigt sich dieser Fokus auch in der Art und Weise, wie sich Unternehmen präsentieren. Messen geben dabei oft ein klares Bild davon, wo der Schwerpunkt liegt: „Wenn man über Messen geht, sieht man häufig, dass Kabelmuffen nur wenig Aufmerksamkeit bekommen. Das sagt etwas darüber aus, welche Komponenten innerhalb eines Portfolios im Mittelpunkt stehen.“
Bevorstehendes BESS‑Projekt in Dänemark
Ein bevorstehendes Projekt, an dem Roy derzeit beteiligt ist, ist ein BESS‑Projekt in Dänemark. Die Herausforderung liegt dabei vor allem in der praktischen Umsetzung.
Roy erläutert: „In der Schaltanlage war Platz für drei Kabel vorgesehen, am Ende wurden es aber zwei Dreiphasensysteme. Die Frage war sehr konkret: Wie lösen wir das praktisch, ohne das Design komplexer oder anfälliger zu machen?
In manchen Fällen unterstützen wir Projekte mit einer Demonstration in der Werkstatt, bei diesem Projekt werden wir jedoch vor Ort sein und die technische Überwachung übernehmen, um sicherzustellen, dass die Installation in der Praxis korrekt ausgeführt wird.“
Wo Roy Chancen für Lovink sieht
Mit Blick auf die Zukunft sieht Roy, dass die Position von Lovink je nach Markt unterschiedlich ist. In einigen Ländern ist Lovink seit Langem im Bereich Mittelspannung aktiv und entsprechend bekannt. In anderen Märkten ist diese Bekanntheit weniger selbstverständlich, obwohl Gespräche zeigen, dass ein klarer Bedarf an spezialisiertem Know‑how und Lösungen besteht.
Roy erklärt dazu: „In den Niederlanden, Deutschland und im Vereinigten Königreich ist Lovink in der Regel gut bekannt. In anderen Ländern ist der Bekanntheitsgrad geringer, aber sobald man versteht, was wir tun, ist das Interesse sehr groß.“
Für Roy unterstreicht dies die Bedeutung von Kabelmuffen innerhalb eines Projekts. Sie fallen nicht immer sofort ins Auge, spielen jedoch eine entscheidende Rolle für die Zuverlässigkeit eines Erneuerbare‑Energien‑Parks.
Im Gespräch über Ihr Erneuerbare‑Energien‑Projekt?
Roy Bosman steht gerne für den Austausch zu Herausforderungen in Wind‑, Solar‑ oder Batterie‑Energiespeicherprojekten zur Verfügung.
